Franziskanisches Berufungsjahr – Teil 5

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vergangenen “Franziskanischen Berufungsjahre” berichten über ihre Erfahrungen.

Ein Jahr in wenigen Zeilen zusammenzufassen fällt mir nicht leicht – vor allem, weil es im Laufe der Berufungsjahr-Wochenenden (und auch dazwischen!) so viele “dichte” Augenblicke gab und eine Vielfalt an Menschen, Orten, Feiern, Methoden, Gesprächen… Ich will daher vor allem in den Blick nehmen, wovon ich HEUTE zehre:

Meine wichtigste Motivation, mich zu diesem Jahr anzumelden, war, so etwas wie “SuchgefährtInnen” zu haben in meinem Schauen und Fragen, wohin mich mein Weg (weiter-)führen will. Das wurde mir (neben vielem anderen) in diesem Jahr mehrfach geschenkt – und zwar spannenderweise meistens “am Rande” der Wochenenden:


Zunächst im wirklich aufmerksamen Zuhören und Nachfragen einer anderen Teilnehmerin, wie ich denn etwas, das ich in einem Kleingruppengespräch gesagt habe, gemeint hätte. Das hat vieles für mich ins Fließen gebracht.

Am Vorabend zum dritten Wochenende, zu dem einige von uns schon am Freitag angereist sind, hat sich ein sehr ehrliches und tiefes und für mich überaus wertvolles Gespräch ergeben. An diesem Abend hat sich erstmals auch ein wirkliches “Gruppenfeeling” eingestellt: Mit Interesse an den Wegen der anderen sowie viel gegenseitigem Wohlwollen und Wertschätzung unserer Unterschiedlichkeit. Dieses “Wirklich-suchen-Dürfen” und nicht vortäuschen zu müssen, “voll den Plan zu haben”, sondern sich und den anderen einzugestehen, manchmal im eigenen Leben den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, hat echt gut getan. 

Beim letzten Wochenende schließlich hatte ich den Eindruck: “Jetzt geht’s erst richtig los!” – und wirklich: Sooo viele gute Dinge hat Gott in meinem Leben in der Zwischenzeit gewirkt. Als sehr schön empfinde ich es, dass für mich zwei wirklich gute und mir sehr wichtige Freundschaften aus dem Berufungsjahr entstanden sind. Es ist schön, miteinander auf dem Weg zu sein… und zu bleiben… 

Ich danke dem Leitungs-/Begleitungsteam für die sorgfältige und liebevolle Vorbereitung und Begleitung und bin froh, am Berufungsjahr teilgenommen zu haben. Vor allem aber bin ich neugierig und gespannt, was Gott in mir wachsen und lebendig werden lassen will…

Franziskanisches Berufungsjahr – Teil 4

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vergangenen “Franziskanischen Berufungsjahre” berichten über ihre Erfahrungen.

Ich habe am franziskanischen Berufungsjahr 17/18 teilgenommen, weil ich einfach spürte, dass es nach einer tollen Erfahrung auf der Marcia Francescana irgendwie weiter gehen muss mit meiner Sehnsucht nach Gott und dem franziskanischen Leben.

Diese einzelnen Wochenenden waren geprägt von der Ausstrahlungskraft der jeweils einzelnen Klöster und der Gemeinschaft vor Ort. Wir durften franziskanisches Leben konkret erfahren und die Impuls und den Austausch ermöglichten uns sich tiefer mit sich selbst und seiner Gottesbeziehung zu befassen.

Es ist einem selbst überlassen wie tief man sich der Stille und dem Gebet vor Ort widmet aber genau dies waren für mich die fruchtbarsten Momente: ich durfte immer wieder für ein Wochenende aus der Hektik des Alltags aussteigen und mich ganz meinen Fragen widmen. Sehr genoss ich die ruhigen Zeiten der Stille und des persönlichen Gebets. Dies hat mich, so glaube ich, auf meinem Weg gestärkt und auch vorangebracht.

Franziskanisches Berufungsjahr – Teil 3

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vergangenen “Franziskanischen Berufungsjahre” berichten über ihre Erfahrungen.

“Für mich war es sehr spannend, verschiedene Gemeinschaften kennenzulernen – die Leute und wie und wo sie leben.”

“Ich schätze es sehr, immer wieder für ein Wochenende aus dem Alltag auszusteigen, um mich und Gott tiefer kennenzulernen. Oft fühle ich mich dann wie in einer anderen Welt, Raum und Zeit enthoben.”

“Es tut gut, mit jungen Leuten in Kontakt zu treten, die sich ähnliche Fragen stellen. Da fühlt man sich verstanden und ermutigt.”

Franziskanisches Berufungsjahr – Teil 2

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vergangenen “Franziskanischen Berufungsjahre” berichten über ihre Erfahrungen.

Das Berufungsjahr –

eigentlich nur ein gutes halbes Jahr, aber es ist viel passiert. Ich habe mich angemeldet, nachdem ich erst ca. ein halbes Jahr davor das erste Mal in Kontakt mit der franziskanischen Spiritualität gekommen bin und mich davon angezogen gefühlt habe.

Am Anfang waren die Treffen für mich inhaltlich sehr bereichernd, aber ich hatte das Gefühl, die Gruppe noch nicht gut genug zu kennen. Beim dritten Wochenende kam dann der Durchbruch: Wir haben auch in der Gruppe darüber gesprochen und waren uns einig, dass wir ab da eine Gemeinschaft waren, die sich wirklich gut unterstützt hat. Eine besonders schöne und auch herausfordernde Zeit hatten wie bei den Berufungsexerzitien.

Das Berufungsjahr hat sich wie ein gemeinsames Gehen mit verständnisvollen franziskanischen Begleitern angefühlt – umso schöner, dass der Weg für den Großteil von uns mit der Teilnahme an der Marcia francescana weitergegangen ist. Ich hoffe, dass mich ein “franziskanischer Blickwinkel” weiterhin begleiten wird.

Franziskanisches Berufungsjahr – Teil 1

Es ist nun schon das dritte Mal, dass sich eine Gruppe junger Menschen unter Begleitung franziskanischer Ordensleute sechs Monate lang auf „Berufungssuche“ begibt. Frauen und Männer mitten im Leben sind es, mit unterschiedlichen Ausbildungen, im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Sie lassen sich auf eine spannende Erfahrung ein. Im Franziskanischen Berufungsjahr schauen sie ganz ausdrücklich darauf, welchen Plan Gott in der Zukunft mit ihnen haben könnte. Die Antwort ist offen: Vielleicht geht es in Richtung Ehe, vielleicht auch zu einer Form des geweihten Lebens oder womöglich zu einem Leben als Single. Das Ziel ist es jedenfalls, am Ende Schritte zu wagen und aus einer gewissen Unentschiedenheit herauszukommen.

Alles beginnt mit einem „Schnuppertag“. Danach erst entscheiden die einzelnen, ob sie verbindlich an den folgenden fünf Treffen teilnehmen wollen. Die ersten drei davon dauern jeweils von Samstagmorgen (9.30 Uhr) bis Sonntagmittag. Dann folgen dreitägige Schweigeexerzitien und schließlich ein Abschlusswochenende, das von Freitagabend bis Sonntagmittag dauert. Der Ort ist jedes Mal ein anderes Kloster. Der Preis ist leistbar und dient lediglich zur Deckung der Unkosten.   

Ein Team franziskanischer Ordensschwestern und Ordensbrüder trägt und gestaltet das „Berufungsjahr“. Die großen Themen sind: Der Blick auf die eigenen Wurzeln, der Blick auf Gott und sein Wirken im eigenen Leben, das Hineinwachsen ins Gebet, die Unterscheidung zwischen Chancen, die es zu ergreifen gilt, und Versuchungen, denen zu widersprechen ist, eine existenzielle Lektüre der Hl. Schrift und noch vieles mehr. Natürlich ist bei alldem die franziskanische Spiritualität eine wichtige Quelle. Aber auch ignatianische Methoden des Hörens auf Gott kommen zum Zug. Welche Lebensform die Teilnehmer/innen später auch einschlagen werden – sie sollen vom Gelernten profitieren!

Dabei hilft auch, dass sie ermuntert werden, ein Berufungstagebuch zu führen und eine geistliche Begleitung in Anspruch zu nehmen. Dadurch, dass man sich je in einem anderen Kloster trifft, lernen die Teilnehmer/innen nebenbei auch unterschiedliche Ordensgemeinschaften aus der Nähe kennen. Besonders schön ist, dass diese jungen Leute, die alle auf einer relativ ähnlichen Suche sind, sich gegenseitig gut unterstützen und begleiten.   

Wenn du jetzt denkst: „Vielleicht wäre das auch etwas für mich?!“, kann ich beruhigen. Im Jänner 2020 (4.-5.1) startet ein Franziskanisches Berufungsjahr PLUS. Das besondere daran wird sein, dass wir auch eine Intensiv-Zeit in Assisi verbringen werden (2.-8.4.2020). Eingeladen sind suchende Menschen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Da es sich um eine besondere Vertiefung handelt, sind auch bisherige Teilnehmer/innen herzlich eingeladen. Ein kurzes, eventuell auch telefonisches Vorgespräch ist notwendig. Für weitere Infos bitte eine Mail an laverna@franziskaner.at

Im Teil 2 in Kürze: Die Stimmen der bisherigen Teilnehmer/innen …

Marcia – Nachtreffen in Telfs 24.-25.11.2018


Als im Juli und Augustdie Marcia Francescana stattfand, hat bei sommerlichen Temperaturen Umbriens niemand an den Winter gedacht. Als sich die Marciatori und Marciatrici am 24.11.2018 zu einem Nachtreffen versammelt haben, war der Winter schon da. Und es war sehrspannend, sich zu einer anderen Jahreszeit an einem anderen Ort wieder zu sehen.

Am Nachmittag, pünktlichzum Kaffee und Kuchen, haben sich die Pilger aus allen Richtungen versammelt – aus der Schweiz, aus Italien und aus vielen Regionen Österreichs kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in das wunderschöne Franziskanerkloster in Telfs. Gemeinsam wurde gesprochen, gesungen, gebetet, meditiert und Stille gehalten. Wir haben gemeinsam das Bild „Berufung des Hl. Matthäus“ von Caravaggio betrachtet und in diesem Zusammenhang auch über die Stimme Gottes in eigenem Leben nachdenken können.

Nach der Vesper und dem köstlichen Abendessen, zubereitet von Bruder Sepp, war es Zeit, sich an die Marcia zu erinnern. Aus Fotos, Videos, Audios und Liedern entstand eine Film-Fotopräsentation, die alle wieder in den Sommer zurückversetzte und den Geist der Marcia aufkommen ließ. Die anschließenden Gespräche konnten nicht ander Oberfläche bleiben, und waren lang und bereichernd.

In der Früh gab es Frühstück und danach Zeit, sich mit dem Tagesevangelium zu befassen. Gut vorbereitet ging es dann in die Hl. Messe. Da es ein Marcia-Nachtreffen war, kam auch Bewegung nicht zu kurz. Nach dem Mittagessen fand die Mini-Marcia nach St. Moritzen statt. Unterwegs wurde gesungen, geplaudert und für die nächste Marcia geplant.

Geistlich gestärkt und froh sind wir dann wieder auf den Heimweg aufgebrochen. Der Abschied mit „Auf Wiedersehen im Juli“ war nicht nur so dahergesagt. Nach der Marcia ist vor der Marcia!

Vielen Dank an die Brüder im Kloster Telfs für die offene Aufnahme und die Gastfreundschaft!

PS: Wer Lust bekommen hat: Die nächste Marcia startet am 25.7.2019!  https://laverna.at/LaVerna/veranstaltungen-2/marcia-francescana/

Gottes wunderbares Wirken

Die Klarissen von Lerma (nördliches Spanien)

In Spanien werden – wie bei uns – viele Klöster immer leerer. Auch die Kapuziner-Klarissen von Lerma waren bis vor kurzem eine scheinbar aussterbende Gemeinschaft. Nach 23 Jahren ohne Eintritte klopfte dann plötzlich eine Interessentin an die Pforte, eine Ex-Drogenabhängige. Obwohl auf Grund ihrer Vergangenheit die Skepsis groß war, nahmen die Schwestern sie auf. Aus schwer erklärbaren Gründen begann eine Folge von Eintritten junger Frauen. Die ex-drogenabhängige Schwester Verónca wurde Novizenmeisterin und kürzlich sogar zur Äbtissin gewählt. Momentan besteht der Konvent aus ca. 140 großteils blutjungen Schwestern. Viele von ihnen haben Studien hinter sich und bringen verschiedene Berufserfahrungen mit. Meist sind sie durch die neuen kirchliche Bewegungen zu einem lebendigen Glauben gekommen. Ein Teil stammt aus Familien des neokatechumenalen Weges. 2010 transformierte die Gemeinschaft sich in ein neues religiöses Institut namens „Gemeinschaft Jesus“ (Iesu Communio). Das historische Klarissenkloster von Lerma ist zu klein geworden, deshalb haben die Schwestern nun auch das früher von Brüdern bewohnte Kloster übernommen.

 

Das Video zeigt eine Begegnung des Kapuziners und bekannten Exerzitienleiters Raniero Cantalamessa mit der jungen, lebendigen Gemeinschaft.

Die erste Schwestern im Interview heißt Marciela und ist 23 Jahre alt. Sie meint, dass sie Jesus als ganz real und lebendig, förmlich „zum Angreifen“ kennen gelernt und sich in ihn verliebt habe. Ihre Angst, als Ordensschwester ihre Identität als Frau einzubüßen verschwand und sie trat ein.

Als zweite wird die 21jährige Rachaela gefragt. Fünf ihrer leiblichen Schwestern seien schon vor ihr in diese Gemeinschaft gestoßen, erzählt sie. Als sie beobachtet, dass Jesus für diese ein wirklicher Bräutigam sei, kann auch sie nicht mehr widerstehen.

Die dritte Schwester – ihr Name wird nicht genannt – hat Luftfahrt studiert, weil ihr Flugzeuge schon immer gefallen haben. Als sie Jesus begegnet entdeckt sie nach und nach, dass sie für ihn bestimmt ist.

Cantalamessa betont, dass Gott offensichtlich Wunder wirken und manchen, scheinbar aussterbenden Konventen eine florierende Zukunft schenken kann. Auf jeden Fall sind Phänomene wie das Klarissenkloster von Lerma sehr ermutigend für einzelne Ordensgemeinschaften der nördlichen Hemisphäre, die sich selber manchmal bereits aufgegeben haben.

P. Stefan Kitzmüller OFM