Spannung der Mitte

Die Osternacht ist schon lange vorbei… Nun beginnen die Ferien. Hier ein Paar Gedanken aus der Osterpredigt – über die Kunst, Gott nicht in Extremen, sondern in der Mitte zu suchen…

Wer nur betet, wird weltfremd. Wer nur arbeitet, wird gottlos.

Wer nur für sich selbst sorgt, ist egoistisch. Wer nur für andere sorgt, brennt aus.

Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht. Wer meint immer Recht zu haben, wird verhärten und intolerant werden.

Die Lebendigkeit ist in der Mitte der Spannung, mitten am Kreuz.

Die Welt ist Gottes soooo voll! Suchen wir ihn in der Mitte.

P. Stefan Kitzmüller

Foto: Ingrid Mathois

Gottes wunderbares Wirken

Die Klarissen von Lerma (nördliches Spanien)

In Spanien werden – wie bei uns – viele Klöster immer leerer. Auch die Kapuziner-Klarissen von Lerma waren bis vor kurzem eine scheinbar aussterbende Gemeinschaft. Nach 23 Jahren ohne Eintritte klopfte dann plötzlich eine Interessentin an die Pforte, eine Ex-Drogenabhängige. Obwohl auf Grund ihrer Vergangenheit die Skepsis groß war, nahmen die Schwestern sie auf. Aus schwer erklärbaren Gründen begann eine Folge von Eintritten junger Frauen. Die ex-drogenabhängige Schwester Verónca wurde Novizenmeisterin und kürzlich sogar zur Äbtissin gewählt. Momentan besteht der Konvent aus ca. 140 großteils blutjungen Schwestern. Viele von ihnen haben Studien hinter sich und bringen verschiedene Berufserfahrungen mit. Meist sind sie durch die neuen kirchliche Bewegungen zu einem lebendigen Glauben gekommen. Ein Teil stammt aus Familien des neokatechumenalen Weges. 2010 transformierte die Gemeinschaft sich in ein neues religiöses Institut namens „Gemeinschaft Jesus“ (Iesu Communio). Das historische Klarissenkloster von Lerma ist zu klein geworden, deshalb haben die Schwestern nun auch das früher von Brüdern bewohnte Kloster übernommen.

 

Das Video zeigt eine Begegnung des Kapuziners und bekannten Exerzitienleiters Raniero Cantalamessa mit der jungen, lebendigen Gemeinschaft.

Die erste Schwestern im Interview heißt Marciela und ist 23 Jahre alt. Sie meint, dass sie Jesus als ganz real und lebendig, förmlich „zum Angreifen“ kennen gelernt und sich in ihn verliebt habe. Ihre Angst, als Ordensschwester ihre Identität als Frau einzubüßen verschwand und sie trat ein.

Als zweite wird die 21jährige Rachaela gefragt. Fünf ihrer leiblichen Schwestern seien schon vor ihr in diese Gemeinschaft gestoßen, erzählt sie. Als sie beobachtet, dass Jesus für diese ein wirklicher Bräutigam sei, kann auch sie nicht mehr widerstehen.

Die dritte Schwester – ihr Name wird nicht genannt – hat Luftfahrt studiert, weil ihr Flugzeuge schon immer gefallen haben. Als sie Jesus begegnet entdeckt sie nach und nach, dass sie für ihn bestimmt ist.

Cantalamessa betont, dass Gott offensichtlich Wunder wirken und manchen, scheinbar aussterbenden Konventen eine florierende Zukunft schenken kann. Auf jeden Fall sind Phänomene wie das Klarissenkloster von Lerma sehr ermutigend für einzelne Ordensgemeinschaften der nördlichen Hemisphäre, die sich selber manchmal bereits aufgegeben haben.

P. Stefan Kitzmüller OFM

Auf dem inneren Befreiungsweg

FotoFranziskus vertraute mehr auf Christus als auf die eigene Logik. Das Evangelium war seine einzige Lebensregel. Er ließ sich von diesem lebendigen Wort Gottes überraschen, entwaffnen und prägen, um immer neue Wege zu unternehmen. Dank der Gebetsverbindung mit seinem Schöpfer konnte der Poverello immer wieder erfahren, dass Gott in neuen Gestalten kommt und seine Logik und sein Vorstellungsvermögen überrascht. Die Bibel half ihm neue Horizonte des Glaubens und der Freude zu finden. Sein Vertrauen an Gott war ohne Grenze. In diesem Moment begann Franziskus den Schöpfer der Welt zu verkünden, und alle Menschen mit der Frohen Botschaft der Hoffnung und der Liebe zu erreichen.

Seine missionarische Wirksamkeit erreichte ihren Gipfel in der letzten Etappe des Lebens, nämlich in der Angleichung an Christus auf dem Berg La Verna. Zur Zeit seiner großen Prüfung, als er nicht wusste, was er tun sollte, fand er seine Freiheit wieder. In dieser inneren Freiheit gab Franziskus seinem Herrn alles, was er hatte. „Wie sehr hat der heutige Mensch die Gnade und die Schönheit nötig, in der Zeit Gottes zu leben. Es ist keine Utopie, es ist ein Traum: es ist eine Möglichkeit, die verwirklicht werden kann. Die Heiligkeit besteht nicht in der Quantität „guter Taten“, sondern in der Qualität der täglich gelebten Liebe. Die Kontemplation und die Anbetung sind mehr als nur eine Tat, sie sind eine Weise, sich vor Gott zu begeben im Gebet und im Leben. Es ist ein allgemeines Verhalten des täglichen Lebens, in dessen Innern es uns gelingt, den Primat Gottes aufrecht zu erhalten. Die Schönheit besteht gerade darin, sich von Gott anschauen zu lassen“ ( Giacomo Bini, Klara von Assisi ein Lobgesang,35). Im inneren Schweigen und in seiner inneren Freiheit verlor der arme Bruder diese Schönheit und diese Harmonie des ganzen geistlichen Aufbaus nicht.

Die befreiende geistliche Erfahrung von Franziskus lädt uns ein, alle Räume des inneren Schweigens den Tag hindurch zu schaffen, um uns umgestalten zu lassen in das, was wir betrachten, um Gott die Möglichkeit zu geben, uns jeden Tag neu wiederzuerschaffen..

 

Sr. Salomea Ewa Pabian OSC

Dauerhafte Spuren

FotoFranziskus hatte als existentiellen Bezugspunkt das Evangelium. Es veränderte sein Leben. Die Heilige Schrift war für ihn nicht nur ein Buch, sondern eine Person, die Person Jesu Christi. Die Kontemplation von Poverello begann mit einem Blick, voller Staunen über das Geheimnis der Inkarnation, Passion und Tod des Herrn. Die Kontemplativen sind Personen, deren Gotteserkenntnis ihr ganzes Leben prägt. Zu denen gehörte Franziskus. Er lebte eingetaucht in Gott. Dieses Bewusstsein war der Filter, durch den er dachte, handelte und betete. Das Wort Gottes eröffnete in seinem Leben einen ganz neuen Raum für Hoffnung und Schönheit. Die Besinnungstexte zur Bibel halfen ihm neue Horizonte des Glaubens und der Freude zu finden. Für Franziskus den Vater zu verkünden hieß, alles Mögliche zu tun, um die Menschen mit der Frohen Botschaft der Hoffnung und der Liebe zu erreichen. Seine missionarische Wirksamkeit erreichte ihren Gipfel in der letzten Etappe des Lebens, nämlich in der Angleichung an Christus auf dem Berg La Verna. Zur Zeit seiner großen Prüfung, als er nicht wusste, was er tun sollte, fand er seine Freiheit wieder.

Für Franziskus waren Armut und Demut eng miteinander verbunden. „Die Armut macht denZustand der an materiellen Gütern Armen offenkundig. Die Demut drückt das aus, was die Armut auf einer tieferen Ebene ausmacht: Erniedrigung, Demütigung, Verachtung. Wenn die Armut die Negierung des Reichtums ist, dann ist die Demut die Negierung der Macht“ (Fr. J.R. Carballo, Den Blick fest auf den Anfang gerichtet, 19). Poverello betrachtete Christus in seiner Demut und in seiner Erniedrigung folgte.

Die franziskanische Fraternitas ist weit davon entfernt, Uniformität zu sein. Die Minderbrüder sind gerufen, die Verschiedenheit als einen Reichtum anzunehmen. Dies wird nur möglich sein mit einer Glaubensvision, die dazu führt, diese wunderbare Verschiedenheit als eine Gabe und ein Geschenk des Herrn zu sehen. Die Welt braucht Zeugen, die sich durch Gottes Gnade ganz hingeben. Sie braucht Personen, die fähig sind, das Wagnis der Armut auf sich zu nehmen, von der Einfachheit und Bescheidenheit angezogen zu werden, den Frieden zu lieben, unempfänglich für Kompromisse, frei und zugleich gehorsam, spontan und beständig sowie gefügig und tapfer in der Gewissheit des Glaubens. Unsere Welt braucht solche Minderbrüder heute.

Sr. Salomea Ewa Pabian OSC

Zwei missionarische Wege

FotoFranziskus und Klara waren Baumeister einer Spiritualität, die vom Hören des Wortes Gottes und vom unmittelbaren Gehorsam diesem Wort gegenüber ausgeht. Sie ließen sich von diesem Wort überraschen, entwaffnen und destabilisieren, um immer neue Wege zu unternehmen, ohne zu wissen wie Abraham, wohin sie führen. Von ihm ließen sie sich auch anziehen und prägen, um seinem Anspruch zu entsprechen. Dieses Wort Gottes rief eine persönliche geistliche Neuordnung hervor. Diese Neuordnung verpflichtete Franziskus und Klara, ihre Gewohnheiten und ihre Muster zu überprüfen und verursachte eine Dynamik der Suche, die ihren Lebensstil im Heiligen Geist änderte.

„Wenn ich erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen“ (Joh 12,32). Der am Kreuz erhöhte Jesus ist das Angebot des Heils für alle Menschen geworden. „Folgen wir Franziskus auf seinem Missionsweg, dann kommen wir bei den Stigmata von La Verna an; folgen wir Klara in ihrer Klausur, dann kommen wir auf der Liege des Schmerzes an und bei der Krankheit, die zur Zeit der Stigmata des Poverello begann und fast die Hälfte ihres Lebens andauerte“ / Br. Giacomo Bini, Klara von Assisi ein Lobgesang 13-14/. Eine überraschende Ergänzung der Charismen können wir feststellen: zwei in gleicher Weise missionarische Wege, des Pilgers und der Klausur, die in der Armut zum identischen Ziel führen, nämlich zum Kreuz. Jede missionarische Aktivität ist daher der Logik des Weizenkorns unterworfen, das sterben muss, um Frucht zu bringen.

Poverello und seine arme Schwester schätzten im Leben die Freundschaft hoch an, die auf dem Vertrauen der gegenseitigen Hilfe, dem Respekt, der Achtung der Würde und der Freiheit des Nächsten beruhte. Dies ist heute das Feld, auf dem die gegenseitige Hilfe unter den Brüdern und Schwestern eine Dynamik und einen Enthusiasmus für ihr Leben stiftet, um den Herrn zu suchen und ihn zu verkünden. Den Meister zu verkünden heißt, alles Mögliche zu tun, um die Menschen mit der Frohen Botschaft der Hoffnung und der Liebe zu erreichen.

Sr.Salomea Ewa Pabian OSC

Sie fasziniert immerfort neue Generationen

simone_martini_047Im 12. Jahrhundert spielte Klara zusammen mit Franziskus von Assisi eine Schlüsselrolle in der ursprünglichen franziskanischen Bewegung. Klara war sich immer ihrer evangelischen Berufung und ihrer Sendung in der Kirche gewahr. Die Ideale des armen Franziskus hat sie dabei in ihr Leben eingebunden und ist Mutter eines neuen Ordens geworden, dem sie den Anfang und die Richtung gab. Auf der ganzen Welt leben 17.000 Klarissen in 1.000 Klöstern.

Warum fasziniert diese Heilige immerfort neue Generationen?

Für die arme Schwester besteht ihre Berufung darin, „(…) das heilige Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit“ (KlReg 1,2). Sie machte die frohe Botschaft zu ihrer einzigen Lebensregel. Die Kontemplativen sind Personen, deren Gotteserkenntnis ihr ganzes Leben prägt. Zu denen gehörte Klara. Sie lebte eingetaucht in Gott. Dieses Bewusstsein war der Filter, durch den sie dachte, handelte und betete. Das Wort Gottes eröffnete in ihrem Leben einen ganz neuen Raum für Hoffnung und Schönheit. Die Besinnungstexte zur Bibel halfen ihr neue Horizonte des Glaubens und der Freude zu finden.

Klara wollte selbst arm sein, weil sie spürte, so dem Geheimnis Christi näher zu kommen und etwas von der Liebe zu erfahren, mit der Gott uns geliebt hat. Sie ließ sich Jesus ergreifen und bewegen, und folgte ihm. Den Gehorsam gerechtfertigte sie nicht mit der sozialen Natur, zeigte aber ihren Mitschwestern die theologischen Grundlagen. In der Stille der Klausur, die sie als eine Gabe annahm und als eine freiwillige Antwort der Liebe aussuchte, veränderte sich Klara wie ein Korn, das reiche Früchte brachte. Das gemeinsame Leben und die tägliche Erkenntnis des Willen Gottes haben sie und ihre Schwestern, die der Herr ihr gab, in den 40 Jahren geistlich bereichert. Klara entdeckte auch den dienenden Charakter des Christentums. Die Macht der Äbtissin betrachtete sie als Dienst in der Gemeinschaft. Sie lehrte Achtung vor der menschlichen Arbeit, die sie als Ausdruck der Armut und als Faktor der Persönlichkeitsentwicklung ansah. Sie lehrte, wie man die Bedeutung der Stille entdeckt und die Einsamkeit erlebt, die jeder auf den einzelnen Etappen seines Lebens erfährt, vor allem im Greisenalter.

Sie schätzte im Leben die Freundschaft hoch an und schrieb darüber in ihren Schriften. Ihre Beziehung zu Franziskus war ein Beispiel einer Freundschaft in deren Wurzel die Einheit der Ideale und der Lebensweise liegt. Diese Freundschaft entstand nicht aus einer blinden Begeisterung, sondern war das Ergebnis einer tiefen Bewunderung für die Opferfreudigkeit, die nie vor den Aufforderungen des Evangeliums zurückweicht. Sie beruhte auf dem Vertrauen der gegenseitigen Hilfe, dem Respekt und der Achtung der Würde und der Freiheit des Nächsten. Sie verwendete in ihren Briefen an Agnes von Prag das Bild des Spiegels mehrmals. In Klaras geistlichem Leben wird der Blick in den Spiegel immer mehr zu einer Orientierung an Jesus und seiner Lebensgeschichte und zu einer Provokation für ihr Leben. Sie lädt uns ein, nicht nur selbst ein Spiegel zu sein, sondern uns immer mehr im Spiegel Jesu Christi zu spiegeln und uns umformen zu lassen, um so diesem Meister immer gleichförmiger zu werden. Das einfache Leben nach dem Evangelium wird so zu einer Quelle der inneren Kraft, das uns ermutigt und ermuntert für den Dienst im konkreten Alltag, weil „(…) in diesem Spiegel erstrahlen die selige Armut, die heilige Demut und die unaussprechliche Liebe“ (4Agn 18).

Obwohl Jahrhunderte vergangen sind, verblasst der Glanz ihrer Heiligkeit nicht. Er entflammt und fasziniert immer wieder aufs Neue. Die offene Haltung, der Respekt vor jedem Menschen, die harmonische Verbindung des Gebets mit der Arbeit, die Sensibilität für menschliche Bedürfnisse und die Anpassung an die Möglichkeiten des Menschen in jeder Generation bewirken, dass sie uns heute noch besonders nahe steht.

Sr. Salomea Ewa Pabian OSC