Wanderexerzitien am südböhmischen Jakobsweg

Eine Stärkung für Seele, Körper und Geist, das waren die Wanderexerzitien 2020. Unsere Gruppe war mit vier Personen sehr klein aber fein – für ein ruhiges, tiefer gehendes Angebot wie dieses geradezu ideal.

Am 14. August haben wir uns im Franziskanerkloster Enns (O.Ö.) getroffen und eingestimmt. Von Linz ging es am nächsten Tag über die steilste, auf Schienen fahrende Bergbahn Europas zur bekannten Wallfahrtskirche auf dem Pöstlingberg. Dort traten wir bei einer Gebetszeit in das Schweigen ein. Auch an den folgenden Tagen hielten wir uns daran, während des Tages in Stille zu sein, uns aber dafür am Abend umso lebendiger auszutauschen. Der Weg des ersten Tages war anspruchsvoll; beständig auf und ab ging es durch die faszinierende Hügelwelt des Mühlviertels bis zum Dörfchen Waxenberg. Der Wirt stellte uns extra eine der Gaststuben zur Verfügung, damit wir dort die Hl. Messe feiern konnten.

Unterwegs gab es immer eine Gebetszeit in einer Kirche, sowie einige Impulse am Weg. Der nächste Tag führte uns durch Wälder und vorbei an alten Burgen ins Tal der steinernen Mühl, wo wir unsere Mittagspause einlegten. Gestärkt ging es dann über die Höhen bei St. Stefan am Walde, meinem Heimatort, über die Grenze nach Tschechien. Dort wanderten wir mit einiger Betroffenheit kilometerlang durch das ehemalige Sperrgebiet, einst Heimat für die 1946 vertriebenen, deutschsprachigen Bewohner, bis 1989 „Niemandsland“ und heute faszinierendes Naturschutzgebiet.

Einigermaßen geschafft erreichten wir schließlich den Moldaustausee, und mit der Fähre den kleinen Markt Frymburk nad Vlatavou/ Friedberg an der Moldau. Ein unglaublich wohltuendes Bad im „böhmischen Meer“ wie der in den 1950-er Jahren künstlich geschaffene See auch genannt wird, die Eucharistiefeier und ein gutes Abendessen beendeten diesen Tag. Weiter ging es am Morgen durch die sanft wellige Hügellandschaft Südböhmens über Svetlik/ Kirchschlag nach Kajov/ Maria Gojau, wo uns eine junge Ordensschwester die geschichtsträchtige Wallfahrtskirche öffnete, und uns die Möglichkeit zur Feier der Hl. Messe bot.

Am nächsten Tag erreichten wir nach gut zwei Stunden Marsch die bezaubernde Stadt Cesky Krumlov/ Böhmisch Krummau – gelegen an einer „krummen Au“ und wegen der vielen Brücken auch als das „Venedig der Nordens“ bezeichnet. Hier hatten wir noch 1 ½ Tage Zeit mit offenen Sinnen da zu sein, bis wir reich beschenkt per Bahn die Rückreise nach Linz antraten, um wieder Abschied voneinander zu nehmen. Unglaublich wie schnell man zusammenwächst, wenn Gottes Geist, ein gemeinsamer Weg und die Dankbarkeit Menschen miteinander verbinden. Auch im kommenden Jahr werden diese Wanderexerzitien auf dem Südböhmischen Jakobsweg angeboten … vielleicht bist du ja dabei!      

Marcia Francescana einmal anders

Rein äußerlich gestaltete sich unsere jährliche Pilgerveranstaltung in diesem Jahr ganz anders als sonst. Der geistlichen Intensität des gemeinsamen Unterwegsseins tat dies aber keinen Abbruch – ganz im Gegenteil! Als im März Covid19 unser aller Leben auf den Kopf stellte, sah es vorerst so aus, als müssten wir die Marcia Francescana 2020 völlig absagen. Geplant war es ja gewesen heuer im Marienwallfahrtsort Loreto an der Adria-Küste zu starten, und von dort nach Assisi zu pilgern. Noch im Februar waren wir als kleines Team in Italien um Quartiere und Wege zu suchen. Diese Vorbereitungen mussten wir aber dann ad Acta legen. Vielleicht können sie 2021 oder später umgesetzt werden. Für heuer aber kristallisierte sich eine Marcia in Tirol als gangbare Alternative heraus – wenn auch mit einigen Risiken.

Aus heutiger Sicht aber hat es sich gelohnt! Als 29-köpfige Gruppe trafen wir uns am 25. Juli in Kufstein bei bosnischen Franziskanern. Ungefähr drei Viertel der TeilnehmerInnen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren war das erste Mal dabei. Schon bei der Vorstellrunde, dann beim abendlichen Gottesdienst war spürbar, dass diese Pilgerveranstaltung für die allermeisten mehr ist als ein bloß sportliches Event bedeutete. Der erste Geh-Tag führte uns bei ein wenig Regen auf den so genannten „Hilari-Berg“ bei Kramsach. Von hier pilgerten wir am nächsten Tag zum Franziskanerkloster Schwaz und streiften dabei den Achensee, der uns ein erfrischendes Bad und eine intensive Zeit des geistlichen Austausches an seinen Ufern bescherte. Eine sehr schöne Etappe führte uns dann über Gnadenwald nach Hall in Tirol, wo wir wiederum bei den Franziskanern Unterkunft fanden. Auf einem Bogen über die Hügel südlich von Innsbruck gelangten wir schließlich ins dortige Franziskanerkloster bei der dortigen Hofkirche im Zentrum der Stadt. Entlang des Inn gelangten wir anderntags nach Telfs um auch das dortige Kloster noch für drei Tage zu „okkupieren“. Eine wunderschöne Pilgertour führte uns von dort auf die Niedere Munde (2059m). Es war der höchste, wohl jemals von einer Marcia-Gruppe erreichte Punkt. Spirituell erreichte die diesjährige Marcia ihren Höhepunkt bei der Ankunft am Ziel, der Wallfahrtskirche Maria Locherboden, und am Einkehrtag.

Das Motto für heuer lautete: „Steh auf und geh!“ (Joh 5, 8). Gerade unter dem Eindruck der Pandemie zeigt sich, wie wichtig es ist immer wieder aufzustehen und weiter zu gehen – vielleicht aber anders weiter zu gehen, mit einem neuen Rhythmus, einer neuen Dankbarkeit und einem erneuerten Glauben, dass Gott unsere Wege mitgeht. Schon jetzt dürfen wir herzlich zur Marcia Francescana 2021 einladen – auch wenn noch etwas unklar ist, ob sie wieder nach Assisi führen wird, oder doch noch einmal in Österreich stattfindet.                

Wanderexerzitien im Rietital 08. – 14. September 2019

Exerzitien sind geistliche Übungen. Gottes Melodie begleitet „gratis“ jede Sekunde des Lebens. Sich auf diese Melodie „einzuschwingen“ bedeutet inneren Reichtum, aber es erfordert auch Übung, Zeit, Stille, …

Unsere Wanderexerzitien führten uns in das weite Tal von Rieti, das auch franziskanisches Galiläa genannt wird. Der heilige Franziskus und seine Gefährten der ersten Jahre machten hier, an einsamen Orten, prägende Erfahrungen in der Nachfolge Jesu.

Zur Einführung waren wir in Poggio Bustone. Das ist ein wunderschönes Fleckchen Erde, hoch oben an steilen Felsen gelegen. Hier erlangte Franziskus Gewissheit, tatsächlich von Gott angenommen zu sein, auch mit seinen Schattenseiten. Theoretisch war ihm das immer klar, existenziell erfahren hat er es aber erst hier während einer mystischen Erfahrung im Gebet.

In schweigender Wanderung führte uns der Weg am zweiten Tag nach Fontecolombo. In dieser Einsiedelei verfasste Franziskus die bis heute gültige Ordensregel. „Wie regle ich mein Leben?“, lautete die Frage für uns. In einer Fensternische der kleinen Magdalenenkapelle ist hier ein Taukreuz zu sehen, das Franziskus selber mit roter Farbe an die Wand malte.

Eine weitere Wanderung ging nach La Foresta. Ein Priester beherbergte hier einige Zeit Franziskus. Die vielen, nun eintreffenden Besucher verzehrten jedoch, direkt vom Weinstock weg, die Trauben des Priesters. Als Franziskus dessen Unmut spürte, stellte er ihm trotz allem eine reiche Ernte in Aussicht. Und tatsächlich … nie vorher und nie nachher brachte der Weinberg so großen Ertrag. „Sollten nicht auch wir mehr wagen, damit Gott eine Chance hat uns zu beschenken?“ Heute beherbergt der Ort junge Männer mit unterschiedlichsten Suchtproblemen. Durch Gemeinschaft, Gebet und Arbeit versuchen sie, wieder Boden unter ihre Füße bekommen.

Am vierten Tag pilgerten wir nach Greccio. In der Weihnachtsnacht des Jahres 1222 organisierte Franziskus hier in einer Höhle die erste „lebendige Krippe“, bei der auch die Hl. Messe gefeiert wurde. Er wollte sichtbar machen, wie konkret Gott im Jesus-Kind „das wirkliche Fleisch unserer Zerbrechlichkeit (fragilitas) annimmt“, wie er einmal schreibt. Auch der tiefe Zusammenhang zwischen Gottes Menschwerdung und seiner stillen Gegenwart in der Eucharistie beeindruckte ihn. Können unsere reizüberfluteten Augen das Wunder „hinter“ der Weihnachtskrippe noch erkennen?

Bevor es schließlich im Begleitfahrzeug mit unserem Begleiter und Koch Br. Martin nach Assisi ging, wanderten wir über eine traumhafte Hochebene nochmals in Stille ins alte Kloster von Stroncone.

„Mit“ Franziskus und Klara – so könnte man sagen – durchstreiften wir am letzten Tag unserer Exerzitien die belebten Gassen von deren Heimatstadt. Die Lebensorte der beiden führten unsere Gedanken zurück zum Alltag unseres Lebens. Ich hoffe, dass die intensive Zeit uns befähigt hat, Gottes Melodie besser zu erlauschen: Eine geistliche und körperliche „Lockerungsübung“!

Von 15.08. – 19.08.2020 stehen wieder Wanderexerzitien, diesmal auf dem Südböhmischen Jakobsweg von Oberösterreich nach Tschechien auf dem Programm. Vielleicht hast du Lust bekommen mit dabei zu sein.

Spannung der Mitte

Die Osternacht ist schon lange vorbei… Nun beginnen die Ferien. Hier ein Paar Gedanken aus der Osterpredigt – über die Kunst, Gott nicht in Extremen, sondern in der Mitte zu suchen…

Wer nur betet, wird weltfremd. Wer nur arbeitet, wird gottlos.

Wer nur für sich selbst sorgt, ist egoistisch. Wer nur für andere sorgt, brennt aus.

Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht. Wer meint immer Recht zu haben, wird verhärten und intolerant werden.

Die Lebendigkeit ist in der Mitte der Spannung, mitten am Kreuz.

Die Welt ist Gottes soooo voll! Suchen wir ihn in der Mitte.

P. Stefan Kitzmüller

Foto: Ingrid Mathois

Fest der Jugend in Salzburg – Pfingsten 2019

Auch heuer waren wir zu Pfingsten wieder mit dem „Franciscan Corner“ in Salzburg beim Fest der Jugend präsent. Ein Festzelt, kleine Snacks, der wunderschöne Klostergarten und Livemusik bildeten den Rahmen. Es gab unzählige schöne Begegnungen und Gespräche. Die Workshops, gestaltet von uns Franziskanern und von franziskanischen Schwestern, waren sehr gut besucht. Viele positive Rückmeldungen machten uns Mut, auch im kommenden Jahr in Salzburg wieder dabei zu sein.  

Das bekannte Treffen für Jugendliche in Salzburg feierte zu Pfingsten sein 20-jähriges Bestehen. Veranstalter ist die österreichweite Loretto-Bewegung unter der Leitung von Georg Mayr-Mellnhof. Was 1998 als ein kleines Gebetstreffen begann, ist mittlerweile eine Großveranstaltung, die in diesem Jahr zirka 10.000 Teilnehmer verzeichnete. Die Jugendlichen kommen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, und nehmen teilweise sehr lange Anreisen in Kauf. Viele kommen privat mit ihrem Freundeskreis, andere im Rahmen von Fahrten, die durch Pfarren oder Bewegungen organisiert werden. Als Franziskaner nehme ich mit anderen Mitbrüdern seit einigen Jahren an diesem Treffen teil. Hier schildere ich einige persönliche Eindrücke.

Offenheit der Herzen

Mir fällt immer wieder auf, dass Jugendliche im Kontext christlicher Events für Glaubensthemen leichter ansprechbar sind als sonst. Hier ist Kirche kein unattraktiv wirkendes Randphänomen, sondern die ganze Salzburger Altstadt ist voller junger Menschen, die christliche Lieder singen, Heilig-Geist-Armbänder tragen (anstelle einer Eintrittskarte) und trotzdem „cool“ daherkommen. Priester und Ordensleute mischen sich unter die Leute, essen mit den Jugendlichen Eis, und sind spontan ansprechbar. Der Dom wirkt plötzlich nicht mehr wie ein Museum, sondern als ein zum Bersten gefülltes Gotteshaus, dröhnend von den Rhythmen der neuesten, christlichen Songs, und innen in den schrillsten Farben beleuchtet. Die groß aufgebaute Tribüne für die Lobpreisband hat ziemlich style Hintergrundelemente; alles wirkt hypermodern und professionell. Wenn in diese Umgebung und Atmosphäre zu Beginn der Hl. Messe unzählige Priester, die liturgische Assistenz und am Sonntag auch der Bischof bei rockiger Musik einziehen, dann wirkt das auf die Jugendlichen plötzlich nicht mehr wie aus der Zeit gefallen. Selbst das uralte Symbol des Weihrauchs erscheint nun als so etwas wie Partynebel. Wenn dann die Worte der Predigt noch unter die Haut gehen, und mehr als fromme Floskeln sind, öffnen viele Jugendliche ihr Herz, das ist zumindest meine Beobachtung. Zuhause erleben sie ja mancherorts, falls sie in die Kirche gehen, das absolute Gegenteil all dessen, was ich geschildert habe.

Katholische Vielfalt

Auffallend ist die reiche Vielfalt an Institutionen, Gruppen und Orden, die am Fest der Jugend präsent sind. Die Liste der Workshop-Anbieter zeigt dies sehr schön: Die Katholische Jugend ist darauf ebenso vertreten, wie die Legionäre Christi, alte Orden genauso wie junge Gemeinschaften. So unterschiedlich wie die Anbieter sind auch die Themen. Auch hier reicht die Palette von spirituellen Themen über den Schutz der Schöpfung, gesellschaftliches und caritatives Engagement bis hin zu kreativen Tätigkeiten. Das Verbindende ist, dass es immer um den Glauben an Jesus Christus geht, die Beziehung mit ihm, und um die Umsetzung seines Evangeliums in der Nachfolge. Auch die Jugendlichen sind sehr unterschiedlich, jede und jeder für sich ein Unikum, auch im Hinblick auf den persönlichen Glauben. Das Spektrum reicht von Nichtgetauften, die unversehens irgendwie bei diesem Treffen gelandet sind, bis zu solchen, die täglich in die Hl. Messe gehen. Über die Jahre fällt mir auf, dass dieses Treffen in Salzburg nicht spaltet, sondern zusammenführt und integriert, also im besten Sinne des Wortes als katholisch bezeichnet werden kann. Die Veranstalter sind sich ihrer Loretto-Spiritualität bewusst. Trotzdem oder gerade deshalb schwimmen sie nicht im eigenen Saft, sondern lassen nach guter Prüfung auch andere, ergänzende Einflüsse zu. Meine Beobachtung ist auch, dass manche, auch junge Menschen mit dieser Art zu beten und den Glauben zu leben nichts anfangen können. Das spricht nicht gegen das Fest der Jugend, sondern dafür, dass es daneben auch andere Angebote braucht. Die manchmal geäußerte Kritik, hier würden Jugendliche zu weltfremden „Halleluja-Schlümpfen“ erzogen, kann ich nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil: Diejenigen, mit denen ich Kontakt hatte, waren vielfach mitten im Leben stehende, hellwache, auch außerkirchlich engagierte junge Menschen. 

Schönheit und Reichtum des Christlichen

Auffallend war für mich schließlich auch, wie sehr die unterschiedlichen Redner aus dem Erfahrungsschatz der christlichen Tradition schöpften, zugleich aber die Lebenswelten der Jugendlichen gut kennen. So über Jesus, die Taufe, das Gebet oder die Eucharistie zu sprechen, dass Jugendliche merken wie relevant das alles für sie sein kann, ist eine Gnade. Bewähren muss sich der Glaube ohnehin außerhalb von Großveranstaltungen, im mühevollen Alltag. Wie schön, wenn jungen Menschen auf diesem Weg gute, geistliche Nahrung mitgegeben wird.     

P. Stefan Kitzmüller

Fotos: Ingrid Mathois

Drei Gedankten zur Passion nach Lukas (Lk 22,14 – 23,56)

Die Passion vom Palmsonntag – heuer nach Lukas – offenbart uns immer wieder neue Schätze. Folgende drei Gedanken sind mir dieses Jahr besonders aufgefallen.

1.       An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde (Lk 23,12)
Der jüdische Priester und der römische Soldat standen an entgegengesetzten Seiten der Macht, und waren eigentlich politische Feinde. Hier zeigt sich die alte Wahrheit – nichts eint so, wie ein gemeinsamer Feind.
Sollen auch wir Christen so agieren? Oder ist es doch christlicher, positive Koalitionen FÜR etwas zu bilden?

2.       Mit ihrem Geschrei setzten sie sich durch (Lk 23,23)
Sowohl Pilatus als auch Herodes ließen sich vom Geschrei der Menschen beeindrucken. Der, der lauter schreit, wird gehört.
Muss das auch bei uns Christen so sein? Oder ist es doch christlicher, nicht mitzugehen und mitzuschreien, sondern selbst das Gehirn einzuschalten und seine eigene Meinung zu bilden?

3.       Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! (Lk 23,42)
Einer der Verbrecher verhöhnt Jesus. Der andere aber ist sich seiner Schuld bewusst und bittet um Verzeihung. Und Jesus vollzieht die erste Heiligsprechung der Geschichte – direkt am Kreuz.
Als Verurteilter andere verurteilen? Mit dem Finger auf andere Zeigen? Oder ist es doch christlicher, eigene Schulden einzusehen und um Barmherzigkeit zu bitten?
Dann können auch wir mit Jesus im Paradies sein. Was für ein tröstlicher Gedanke!

 P. Stefan Kitzmüller OFM

Bettona … Liebe und Beziehung

Freundschaften und besonders Paarbeziehungen sind wie ein Garten: Sie brauchen Pflege, damit sie so richtig ins Blühen kommen! Aber wie geht das konkret? Beim Kurs Bettona vom 29. bis 31. März 2019 im Schweizer Franziskanerkloster Näfels versuchten wir dieser Frage auf die Spur zu kommen. Zwölf junge, sehr interessierte Männer und Frauen (sowohl Paare als auch Singles) waren da.

Am ersten Abend ging es zuerst einmal um das „Ja-Wort“ zu sich selbst als Basis jeder Beziehungsfähigkeit zu Anderen. Am nächsten Tag dachten wir darüber nach, wovon wir alle, und wovon jede/-r ganz individuell geprägt ist. Ressourcen, aber auch Stolpersteine im Hinblick auf das Beziehungsleben wurden in den Blick genommen. Die tiefere Bedeutung des Ehesakramentes versuchten wir am Abend zu beleuchten. Am dritten Tag standen Beziehungsgeschichten der Bibel im Mittelpunkt.

Den Rahmen des Programms bildete die Mitfeier der klösterlichen Liturgien, und der gemütliche Austausch untereinander in den Pausen und am Abend. Auch eine Wanderung, verbunden mit einer Kreuzwegandacht, in die wunderschöne Umgebung stand auf dem Programm. Insgesamt war es eine extrem schöne, bereichernde Zeit.

Franziskanisches Berufungsjahr – Teil 1

Es ist nun schon das dritte Mal, dass sich eine Gruppe junger Menschen unter Begleitung franziskanischer Ordensleute sechs Monate lang auf „Berufungssuche“ begibt. Frauen und Männer mitten im Leben sind es, mit unterschiedlichen Ausbildungen, im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Sie lassen sich auf eine spannende Erfahrung ein. Im Franziskanischen Berufungsjahr schauen sie ganz ausdrücklich darauf, welchen Plan Gott in der Zukunft mit ihnen haben könnte. Die Antwort ist offen: Vielleicht geht es in Richtung Ehe, vielleicht auch zu einer Form des geweihten Lebens oder womöglich zu einem Leben als Single. Das Ziel ist es jedenfalls, am Ende Schritte zu wagen und aus einer gewissen Unentschiedenheit herauszukommen.

Alles beginnt mit einem „Schnuppertag“. Danach erst entscheiden die einzelnen, ob sie verbindlich an den folgenden fünf Treffen teilnehmen wollen. Die ersten drei davon dauern jeweils von Samstagmorgen (9.30 Uhr) bis Sonntagmittag. Dann folgen dreitägige Schweigeexerzitien und schließlich ein Abschlusswochenende, das von Freitagabend bis Sonntagmittag dauert. Der Ort ist jedes Mal ein anderes Kloster. Der Preis ist leistbar und dient lediglich zur Deckung der Unkosten.   

Ein Team franziskanischer Ordensschwestern und Ordensbrüder trägt und gestaltet das „Berufungsjahr“. Die großen Themen sind: Der Blick auf die eigenen Wurzeln, der Blick auf Gott und sein Wirken im eigenen Leben, das Hineinwachsen ins Gebet, die Unterscheidung zwischen Chancen, die es zu ergreifen gilt, und Versuchungen, denen zu widersprechen ist, eine existenzielle Lektüre der Hl. Schrift und noch vieles mehr. Natürlich ist bei alldem die franziskanische Spiritualität eine wichtige Quelle. Aber auch ignatianische Methoden des Hörens auf Gott kommen zum Zug. Welche Lebensform die Teilnehmer/innen später auch einschlagen werden – sie sollen vom Gelernten profitieren!

Dabei hilft auch, dass sie ermuntert werden, ein Berufungstagebuch zu führen und eine geistliche Begleitung in Anspruch zu nehmen. Dadurch, dass man sich je in einem anderen Kloster trifft, lernen die Teilnehmer/innen nebenbei auch unterschiedliche Ordensgemeinschaften aus der Nähe kennen. Besonders schön ist, dass diese jungen Leute, die alle auf einer relativ ähnlichen Suche sind, sich gegenseitig gut unterstützen und begleiten.   

Wenn du jetzt denkst: „Vielleicht wäre das auch etwas für mich?!“, kann ich beruhigen. Im Jänner 2020 (4.-5.1) startet ein Franziskanisches Berufungsjahr PLUS. Das besondere daran wird sein, dass wir auch eine Intensiv-Zeit in Assisi verbringen werden (2.-8.4.2020). Eingeladen sind suchende Menschen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Da es sich um eine besondere Vertiefung handelt, sind auch bisherige Teilnehmer/innen herzlich eingeladen. Ein kurzes, eventuell auch telefonisches Vorgespräch ist notwendig. Für weitere Infos bitte eine Mail an laverna@franziskaner.at

Im Teil 2 in Kürze: Die Stimmen der bisherigen Teilnehmer/innen …

Ehe auf franziskanisch

Verliebte-1212093_1920Habe ich richtig gelesen?“, werden manche sich fragen. Was in Österreich einigermaßen eigenartig klingt, stellt zumindest in Italien mittlerweile eine kleine Bewegung dar. Junge Verliebte beschließen sich „franziskanisch“ auf die Ehe vorzubereiten, die Hochzeit entsprechend zu feiern und dann in diesem Stil auch zusammen zu leben. Die Idee geht auf Pater Giovanni Marini zurück, der in der Franziskanerprovinz von Assisi als Seelsorger für junge Erwachsene tätig ist. Wie die „Ehe auf franziskanisch“ konkret funktioniert wird hier erzählt.

Soll ich überhaupt heiraten?
Eheleben und Ordensleben, von Grund auf verschieden und doch in Einigem so ähnlich: Beide Lebensformen sind keineswegs mehr selbstverständlich. Mit der Zahl der Scheidungen ist auch diejenige der Ordensaustritte gestiegen. Zugleich wächst eine neue Sehnsucht nach gelungener Stabilität. Jene, die heute kirchlich heiraten – und auch die in Orden eintreten – sind „Kinder unserer Zeit“. Das heißt sie zweifeln manchmal, ob eine lebenslange Bindung überhaupt noch möglich ist. Warum? Zum Beispiel, weil sie vernichtende Streitigkeiten, Scheidung und andere Brüche bei den Eltern oder bereits in eigenen Beziehungen erlebt haben. Auch folgende, ehrliche Frage an sich selber lässt manche zögern: „Schaffe ich es gewohnte Freiheiten aufzugeben und mich wirklich voll auf einen Partner (oder auf eine Ordensgemeinschaft) einzulassen, ein Leben lang?“

Ehe-„Noviziat“ … reif werden zum Heiraten
Beziehung und Ehe brauchen eine frühe, leider oft verabsäumte Vorbereitung. Hier setzt die Idee der „Ehe auf franziskanisch“ an. In kleinen „Kursen“ (kein Ehevorbereitungskurs), von Franziskanern geleitet, wird jungen Leuten, die noch alleine oder schon in Paarbeziehung leben Mut zur Arbeit an sich selber gemacht. Ein Weg der Selbstannahme und der Akzeptanz der eigenen Wurzeln muss eingeschlagen werden. Eine Frau oder ein Mann in starkem Zwist mit sich selber oder mit der eigenen Herkunft wird den Partner ungewollt in die eigenen Probleme hineinziehen. Eine solche Beziehung ist möglicherweise von Beginn an mit einem – klein gedruckten – Ablaufdatum „gestempelt“.
Außerdem werden im Kurs imaginäre Wunschlisten, wie der zukünftige Partner/ die Partnerin zu sein habe, auf ihren Realitätssinn abgeklappert. Kann es eine Person überhaupt geben, die all diesen hohen Ansprüchen entspricht? Es wird auch vermittelt, dass die Verliebtheit der ersten Zeit zu wirklicher Liebe heranreifen muss, die neben dem Gefühl wesentlich auch in Taten, Kompromissen und persönlichen Opfern besteht. Natürlich wird auch der Platz der Sexualität in Beziehungen zur Sprache gebracht. Jungen Menschen tut es gut zu hören, was sie ohnehin spüren: Nämlich dass Sex in der Form, wie er ihnen im virtuellen Raum des Internet begegnet, für reale Beziehungen eher destruktiv ist. Die Sexualität wird als Geschenk Gottes vorgestellt, mit dem ein Paar einen guten Umgang lernen sollte und das seine Schönheit am besten innerhalb der sakramentalen Ehe entfaltet. Selbstverständlich und nicht zuletzt versuchen die Franziskaner, die den Kurs leiten, auch die Bedeutung und die Konsequenzen der Ehe als Sakrament gut zu erklären.

Eine etwas andere Hochzeitsfeier
Wenn ein Paar sich zu einer Ehe im franziskanischen Stil entscheidet, wird dies in Italien besonders in der Art der Hochzeitsfeier sichtbar. Am Wichtigsten bei der Vorbereitung sind nicht das Mahl, das Kleid, die Örtlichkeit usw., sondern es ist die kirchliche Feier. Sie strukturiert alles Rundherum. Ein Grundsatz lautet, nicht soviel Energie in den äußeren Glanz der Hochzeit zu stecken, sondern alles möglichst einfach aber dafür umso authentischer zu halten. Was dadurch an Mühe und Geld gespart wird, soll dahingehend aufgewendet werden möglichst vielen die Teilnahme an der Feier zu ermöglichen. Das Mahl kann zum Beispiel auch einmal ein gutes, für alle offenes Catering-Buffet sein. Manches Brautpaar entscheidet sich dafür, auf die üblichen Geschenke zu verzichten und die Gäste stattdessen zu einer Spende für Bedürftige einzuladen. Bei diesen Grundsätzen soll aber unbedingt eine gewisse Flexibilität gewahrt bleiben. Je nach Ort, Elternhaus und anderen Gegebenheiten können „franziskanische Hochzeiten“ ganz verschiedene Formen annehmen. Der einfache Stil dient der Freude dieses Tages und soll sie keineswegs einschränken. Die „franziskanische“ Hochzeitsreise beinhaltet neben Spaß, Entspannung und Neugierde auf fremde Länder auch einen spirituellen Schwerpunkt. Manche unternehmen zum Beispiel eine Reise in das Hl. Land oder legen einige Tage des Pilgerns ein.

Ehe mit drei Knotencingolo francescano su pietra
Wo sich das Franziskanische einer Beziehung dann bewähren muss ist das Leben mit all seinen Turbulenzen. Hier kommen die drei „evangelischen Räte“ – auch Gelübde genannt – ins Spiel. Franziskaner tragen als äußeres Zeichen für die versprochene Armut, den Gehorsam und die Keuschheit drei Knoten in ihrem Strick (Zingulum). Diese drei Werte haben auch für Verheiratete eine Bedeutung, wenn auch anders als für Ordensleute.
Etwa die „Armut“: Im Leben als Paar und Familie ist es heilend die eigene Armut und jene des Partners zu kennen und jeden Tag neu anzunehmen. Jeder ist anders „arm“ und im Lauf des Lebens auch auf verschiedene Weisen. Manchmal ist es berufliche Überlastung, dann wieder Krankheit oder anderes. Als Zweites wäre der „Gehorsam“ zu nennen: Gemeint ist nicht hierarchischer Gehorsam sondern das gute Hören auf die Worte, Gesten und Botschaften des ebenbürtigen Gegenübers. Grundlegend ist es miteinander im Gespräch zu bleiben und eine gute Konfliktkultur einzuüben. Gehorsam heißt auch den anderen zu respektieren und sich gegenseitig die notwendigen Freiräume zu gönnen. Sogar das Gelübde der „Keuschheit“ ist – richtig verstanden – für die Ehe von wichtiger Bedeutung. Es geht dabei um das Finden einer gemeinsamen Melodie der Liebe, das Eingehen auf die körperlichen Bedürfnisse des anderen, gemeinsames Genießen aber manchmal auch um Verzicht aus Respekt. Natürlich gehört hierher auch lebenslange Treue und die Offenheit für Kinder als zwei wesentliche Bestandteile der sakramentalen Ehe.
Ein besonders franziskanischer und wichtiger Aspekt ist eine Kultur freudiger Gastfreundschaft und des Einsatzes für arme oder von der Gesellschaft ausgeschlossene Menschen.

Familiensynode
Die „Ehe auf franziskanisch“ könnte zu einem Modell für die Weltkirche werden. Eine zweiteilige Familiensynode sondierte ja in den letzten beiden Jahren, wie die Kirche im Auftrag Jesu heutigen Menschen helfen kann, Beziehung und Familie zu leben. Ein Ergebnis ist der Entschluss, die Vorbereitung junger Menschen auf die Ehe ernster als bisher zu nehmen und die Familien besser zu begleiten und zu stärken. In weiterer Folge gilt es Singles einen Platz in der Kirche zu geben. Außerdem wird die Kirche sich stärker um Hilfe für Menschen bemühen, die nicht dem Ideal entsprechen oder die auf irgendeine Weise gescheitert sind.

Auch in Österreich
Neuerdings versuchen auch die österreichischen Franziskaner junge Menschen in ihrer Beziehungsfähigkeit und Beziehungswilligkeit zu stärken. Im Franziskanerkloster Maria Enzersdorf gibt es dazu im Rahmen des Projekts „La Verna“ verschiedene Wochenendangebote. Besonders geeignet ist der Kurs „Bettona … Mit Gott liebt es sich echter“.
Vielleicht werden auch in unserem Land bald Hochzeiten im „franziskanischen Stil“ gefeiert und gelebt.