Dauerhafte Spuren

FotoFranziskus hatte als existentiellen Bezugspunkt das Evangelium. Es veränderte sein Leben. Die Heilige Schrift war für ihn nicht nur ein Buch, sondern eine Person, die Person Jesu Christi. Die Kontemplation von Poverello begann mit einem Blick, voller Staunen über das Geheimnis der Inkarnation, Passion und Tod des Herrn. Die Kontemplativen sind Personen, deren Gotteserkenntnis ihr ganzes Leben prägt. Zu denen gehörte Franziskus. Er lebte eingetaucht in Gott. Dieses Bewusstsein war der Filter, durch den er dachte, handelte und betete. Das Wort Gottes eröffnete in seinem Leben einen ganz neuen Raum für Hoffnung und Schönheit. Die Besinnungstexte zur Bibel halfen ihm neue Horizonte des Glaubens und der Freude zu finden. Für Franziskus den Vater zu verkünden hieß, alles Mögliche zu tun, um die Menschen mit der Frohen Botschaft der Hoffnung und der Liebe zu erreichen. Seine missionarische Wirksamkeit erreichte ihren Gipfel in der letzten Etappe des Lebens, nämlich in der Angleichung an Christus auf dem Berg La Verna. Zur Zeit seiner großen Prüfung, als er nicht wusste, was er tun sollte, fand er seine Freiheit wieder.

Für Franziskus waren Armut und Demut eng miteinander verbunden. „Die Armut macht denZustand der an materiellen Gütern Armen offenkundig. Die Demut drückt das aus, was die Armut auf einer tieferen Ebene ausmacht: Erniedrigung, Demütigung, Verachtung. Wenn die Armut die Negierung des Reichtums ist, dann ist die Demut die Negierung der Macht“ (Fr. J.R. Carballo, Den Blick fest auf den Anfang gerichtet, 19). Poverello betrachtete Christus in seiner Demut und in seiner Erniedrigung folgte.

Die franziskanische Fraternitas ist weit davon entfernt, Uniformität zu sein. Die Minderbrüder sind gerufen, die Verschiedenheit als einen Reichtum anzunehmen. Dies wird nur möglich sein mit einer Glaubensvision, die dazu führt, diese wunderbare Verschiedenheit als eine Gabe und ein Geschenk des Herrn zu sehen. Die Welt braucht Zeugen, die sich durch Gottes Gnade ganz hingeben. Sie braucht Personen, die fähig sind, das Wagnis der Armut auf sich zu nehmen, von der Einfachheit und Bescheidenheit angezogen zu werden, den Frieden zu lieben, unempfänglich für Kompromisse, frei und zugleich gehorsam, spontan und beständig sowie gefügig und tapfer in der Gewissheit des Glaubens. Unsere Welt braucht solche Minderbrüder heute.

Sr. Salomea Ewa Pabian OSC

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